Folgende Presseerklaerung wurde vom Nationalen Geistigen Rat der Baha'i in Deutschland veroeffentlicht:

DER NATIONALE GEISTIGE RAT DER BAHA'I IN DEUTSCHLAND E.V.
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Todesurteile gegen zwei Baha'i im Iran bestaetigt

Deutsche Baha'i befuerchten Hinrichtung

Hofheim, 3. Februar 1997. Der Oberste Iranische Gerichtshof in Teheran hat die Beschwerden von zwei Angehoerigen der Baha'i-Religion verworfen und die gegen sie verhaengten Todesurteile bestaetigt. Die beiden Baha'i - Musa Talibi (in Haft seit August 1994) und Zabiullah Mahrami (in Haft seit September 1995) - waren von verschiedenen islamischen Revolutionsgerichten ausschliesslich mit dem Vorwurf der Apostasie und der Zugehoerigkeit zur Baha'i-Religion zum Tode verurteilt worden. In mehreren Gerichtsverfahren verlangten die islamischen Richter, die ,Angeklagten" sollten zum Islam uebertreten, dann kaemen sie frei.

Der Deutsche Bundestag und Bundesaussenminister Kinkel forderten die iranische Regierung bereits in der Iran-Debatte vom 9. Mai 1996 auf, die Todesurteile aufzuheben und die Verfolgung der Baha'i im Iran zu beenden.

Nach dem Urteilsspruch des hoechsten iranischen Gerichts wurden die beiden Baha'i in den letzten Tagen in ein anderes Gefaengnis ueberfuehrt. Der Nationale Geistige Rat der Baha'i in Deutschland befuerchtet, dass es zur Vollstreckung der Todesurteile kommen koennte. Namens der deutschen Baha'i-Gemeinde appellierte er daher an die Bundesregierung, auf Teheran einzuwirken, um die drohenden Hinrichtungen zu verhindern.

Der Sprecher des US-Aussenministeriums, Nicholas Burns, hat in einer Erklaerung vom 31. Januar die iranische Regierung aufgefordert, die Todesurteile unverzueglich aufzuheben und die Baha'i freizulassen. US-Aussenministerin Madeleine Albright wies am gleichen Tag in ihrem Menschenrechtsbericht speziell auf die Lage der Baha'i hin: ,Die iranische Regierung unterdrueckt kontinuierlich und mit repressiven Massnahmen die Mitglieder des Baha'i-Glaubens."

12 Baha'i sind derzeit im Iran allein aus Gruenden religioeser Verfolgung in Haft, darunter insgesamt vier Faelle, in denen wegen ,Apostasie" ein Todesurteil verhaengt wurde.

Die Baha'i werden im Iran nicht anerkannt. Die Baha'i-Gemeinde ist verboten, ihre sozialen und kulturellen Einrichtungen sind seit Beginn der islamischen Revolution im Iran zerstoert oder enteignet. Bislang wurden 202 Baha'i nur wegen ihres Glaubens hingerichtet oder getoetet. Auch in den letzten Monaten kam es in verschiedenen Staedten Irans immer wieder zu willkuerlichen Inhaftierungen. Im Iran leben ungefaehr 300.000 Baha'i.


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