Bahai News -- Stuttgarter Zeitung - Vier Frauen suchen Wege zum Frieden

Vier Frauen suchen Wege zum Frieden

Stuttgart

Artikel aus der
Stuttgarter Zeitung
vom 21.01.2003

Gespräch zum Weltreligionstag - Bahai wollen Verständnis zwischen Religionen fördern


Vier Frauen vier verschiedener Religionen haben gestern Abend versucht, den Begriff der Friedenskultur zu ergründen. Anlass war nicht der drohende Krieg im Irak, sondern der Weltreligionstag, der auf Initiative der Bahai begangen wurde.

Von Nicole Höfle

Diesmal sollten die Frauen im Neuen Schloss aufs Podium und dem Publikum sagen, wie man zu einer friedlichen Welt kommen kann. Wirklich Neues bekamen die Zuhörer nicht geboten, dafür viele Allgemeinplätze. Dennoch gab es einige überraschende Stellungnahmen. Die von Nesteren Inci-Bergemann zum Beispiel. Die Muslimin machte gleich zu Beginn des Gesprächs klar, dass sie die Frage, was sich seit dem 11. September unter den Muslimen verändert habe, nicht mehr hören könne. "Immer muss ich mich wegen meiner Religion dafür rechtfertigen, was in den USA passiert ist. Das ist auf Dauer sehr anstrengend." Dass sie in den vergangenen Monaten als Migrations- und Islamexpertin gut verdient habe, sei da nur ein schwacher Trost.

Alle vier Frauen waren sich darin einig, dass der Frieden sehr brüchig ist. "Ich fürchte, wir stehen vor einem Krieg mit dem Irak. Und auch bei uns brodelt es überall", stellte Godlind Bigalke fest, scheidende Direktorin der evangelischen Akademie Bad Boll. Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, machte deutlich, dass sie schon immer mit dem Gefühl lebe, einen sehr labilen Frieden zu teilen: "Ich habe dem Frieden nie ganz getraut." Seit dem 11. September sei in den jüdischen Gemeinden die Unsicherheit weiter gewachsen, was schon an verstärkten Sicherheitskontrollen abzulesen sei.

Was also kann man tun, um eine friedlichere Welt zu schaffen? Auch darauf wussten die Frauen Antworten. Man müsse im Alltag beginnen, empfahl Inci-Bergemann den Zuhörern: "Es ist wichtig, in der Familie Gebetsrituale zu pflegen, um einen ruhenden Pol zu schaffen." Auch Barbara Traub setzt auf religiöse Rituale wie den Sabbat: "Das ist ein Tag, an dem wir im Judentum versuchen abzuschalten, uns bewusst der Familie zuzuwenden und alles andere auf die Seite zu stellen." Religion biete den Menschen eine Ordnung, die helfen könne, zu einem friedlichen Zusammenleben zu finden. Und Farah Dustdar schließlich, Vorsitzende des Bahai Frauen Forums Luxemburg, plädierte für eine weltoffene Erziehung, die Raum lassen müsse für andere Religionen.

Aber auch am Weltreligionstag, der zum Verständnis zwischen den Religionen beitragen soll, kamen Differenzen zu Tage: Während sich Farah Dustdar dafür einsetzte, dass man "Liebe für die ganze Menschheit in sich wachsen lassen müsse", hielt Traub diesen Anspruch für zu hoch gegriffen. Vielmehr sei es erstrebenswert, andere zu respektieren und diese Achtung zu vermitteln: "Von der großen Liebe zu träumen ist eine Utopie. An diesem Anspruch muss man scheitern."
 
Aktualisiert: 21.01.2003, 06:05 Uhr

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